Kunst in Scharteken abgepackt
Mittwoch, 3. März 2010
Die Scharteke
Grüne Augen mustern Dich misstrauisch durch die kristallgleiche Glasplatte. Lippen bewegen sich, formen lautlos Wörter.
Du! Du! Komm auf diese Seite! Der erste Kuss ist umsonst...
Du fliehst. Liebe erscheint Dir nicht käuflich. Gehe nach Hause und vergiss…
Grüne Augen.

Auf der Bannmeile auf der Wacht. Ein Stahlhelm als ein Leuchtfeuer durch die finstere Nacht. Salutieren wird für nichtig erachtet. Europa haben sie zerrissen für eine Swastika und das irre Organ im Kopf eines vermeintlichen Ariers.
Fürchterliches Gedankengut als willig in Kauf genommenes Gift für eine geschädigte Nation. Stacheldraht, Pogrom und Massenvernichtung ist ab sofort als illegal eingestuft.
Zuwiderhandlungen werden nicht geahndet. Wir wollen nie wieder verpestete nachtschwarze Unifor-men, sagen die Vertreter von Macht und Einfluss. Und sie reden besonders viel.

„Warum?“
„Wegen Ihrem Namen. Dschihad ist ein islamistischer Ausdruck. Leute wie Sie wollen wir hier nicht.“
„Ich habe gar nichts gegen das Christentum, ich bin sogar in der Schweiz geboren… ich...“
„Der Nächste!“
„Ich bin Türke. Ich würde gerne in Ihrem Land leben. Sind Nationalitäten nicht egal?“
„Ich bin Beamter und ich lasse Sie nicht hinein. Verschwinden Sie! Wir lassen uns keine Arbeit stehlen!“
„Für den Aufbau sind wir gut genug…?“
„Nächster! Abgelehnt!“
„Ich bin Engländer und erstrebe eine Aufenthaltsgenehmigung. Ich...“
„In Ordnung. Willkommen in unserem liberalen Rechtsstaat.“
Gegen elf Uhr Ortszeit wurde ein Attentat verübt, bei dem acht Menschen starben. Der Suizid-Mörder kam aus dem Irak. Das ist der Beweis für die Gefährlichkeit aller islamischen Kultur. (Im elften Jahrhundert begannen die Kreuzzüge.)

Ich bin eigentlich nicht der Typ, der beim Schreiben Lovesongs hört und auf dessen Schreibtisch Dantes Göttliche Komödie liegt. Aber manchmal braucht man das. Diese romantische Atmosphäre, um einmal zu glauben, dass alles ganz einfach ist.
Gelegentlich erstehen Fantasien auf aus den Schluchten zwischen den Frequenzen meines Radios und überraschen mich mit anarchistischem Kalkül.
Ich sollte schreiben. Ich sollte lieben können. Vielleicht. Also, wenn das jetzt nicht zu weltfremd und romantisch klingt.
Ich will keine Utopie. Aber ich möchte auch nichts Gewöhnliches.

Hölle Liebe Erde Feuern Nacht U-Bahn Okassion Wortneuschöpfung Leichenköpfung Selbstmord Elysium Jungfrau Der Tod.

Bitte gebt mir doch eine Möglichkeit. Wenigstens oder zumindest nur eine. Ist das denn zuviel verlangt?
Ich bin nicht so sehr anders als ihr; nicht verrückt. Zwar bin ich nicht Mainstream, aber bitte, bitte gebt mir eine Gelegenheit, nur eine.
Sie reicht mir vollkommen.

Zwei Extreme bewahren einen kühlen Kopf. Eines ist nicht gut zu haben, das andere gerade schlecht genug um für irre erachtet zu werden.
Ich kriege es par tout nicht auf die Reihe, den Pfad zwischen dem Gebirge und dem dunklen Meer zu finden.
Interessieren eigentlich irgendjemanden meine Gedanken, die ich in dieser "Scharteke", gewissermassen eine Komposition aus winzigen Prosa- und Lyrikfetzen, aufschreibe.
Muss hinter dem vorigen Satz ein Fragezeichen stehen. Oder hinter diesem hier. Fragezeichen.

Natürlich, ich kann nie der beste sein, sagst Du. Du kannst dich ruhig angesprochen fühlen.
Ja es ist verrückt, soviel von einem so kurzen Text zu erwarten, nur weil er in die schillernde Erdbeer-haut einer Schlange verpackt ist. Aber ist das nicht verrückt?
Ja, da steht ein Fragezeichen.

Ich mache jetzt hier mal Schluss.
Meine Arbeit, das ist Kunst. Das ist mein Beitrag zur Literatur, von der wir ja schon eigentlich mehr als genug haben und trotzdem verschlingen, was wir an dicken Schinken bekommen.
Mein Schinken ist selbst für fettarme Kost sehr mager.
Schöner Satz zum Abschluss. Natürlich. (!)

Copyright © Niels Willberg 2010

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Letzte Aktualisierung: 2010/03/23 20:34
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